Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane der Schweiz

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Morchella elata, Barbara Zoller

Seltene Fälle lebensbedrohlicher Komplikationen nach dem Genuss zu kurz gekochter Morcheln aus dem Handel! Wichtige Hinweise zur sicheren Zubereitung:

Morcheln trocknen / einweichen / auftauen und danach immer mindestens 20 Minuten kochen!

Die Morchelzeit hat begonnen. Doch Vorsicht ist geboten: Der Verzehr von Morcheln – frisch gesammelt oder als getrocknete Zuchtpilze aus dem Handel – kann gesundheitliche Folgen haben. Tox Info Suisse und die VAPKO haben in den letzten 12 Monaten eine Häufung schwerer Magen-Darm-Symptome in Zusammenhang mit Morcheln beobachtet, vier Personen erkrankten schwer. Besonders häufig gab es Anfragen zu Gerichten wie Risotto oder Saucen mit Morcheln. Morcheln, die getrocknet oder tiefgekühlt in den Handel kommen, sind roh! Werden sie erst am Ende der Kochzeit ins Gericht gegeben, garen sie nicht ausreichend durch – und können dadurch für böse Überraschungen sorgen.

Empfohlene Massnahmen zum sicheren Genuss von Morcheln:

  • Frische Morcheln zuerst trocknen, dann einweichen und mindestens 20 Minuten kochen. Falls trotzdem frisch zubereitet: Mindestens 20 Minuten kochen und keine grossen Portionen von mehr als 100 Gramm essen.

  • Getrocknete Morcheln immer zuerst einweichen und danach mindestens 20 Minuten kochen.

  • Tiefgekühlte Morcheln auftauen und danach mindestens 20 Minuten kochen.

  • Wichtig: Morcheln nie ungekocht als Snack oder Carpaccio verzehren!

Bei rasch eintretenden Magen-Darm-Beschwerden wird die sofortige Kontaktaufnahme mit Tox Info Suisse (Nr.145) empfohlen. Bei schweren Symptomen soll zusätzlich der Rettungsdienst (Nr. 144) kontaktiert werden. 

Hintergrund-Information: Bei allen Morchelarten (Morchella spp.) können nach dem Verzehr zwei klar unterscheidbare Beschwerdebilder auftreten.

     1. Neurologische Symptome durch frische Morcheln (Morchella Syndrom)

Symptome wie Schwindel, Seh- und Gangstörungen treten fast ausschliesslich nach dem Genuss frischer Morcheln auf. Der auslösende Giftstoff ist bis jetzt unbekannt. Die Symptome sind zwar unangenehm, aber ungefährlich und klingen in der Regel innerhalb von 24 Stunden von selbst wieder ab.

     2. Magen-Darm-Beschwerden durch frische und getrocknete Morcheln

Rohe oder unzureichend gegarte Morcheln – egal ob frisch, getrocknet oder tiefgekühlt – können zu teilweise heftigen Magen-Darm-Beschwerden führen. In seltenen Einzelfällen kommt es zu lebensbedrohlichen Komplikationen. Dabei treten Bauchkrämpfe, heftiges Erbrechen und starke Durchfälle innerhalb sehr kurzer Zeit nach der Mahlzeit auf (wenige Minuten bis drei Stunden). In der Folge kann es zum Volumenmangelschock kommen, der ohne sofortige Therapie tödlich enden kann. In der Fachliteratur sind bisher acht Todesfälle dokumentiert, zwei davon bei Tox Info Suisse. Seit 2014 verzeichnete Tox Info Suisse zudem sieben schwere Verläufe, vier davon in den letzten 12 Monaten. Ob es sich dabei um eine Zunahme oder eine zufällige Häufung handelt, kann aufgrund der geringen Fallzahl nicht gesagt werden. Die Ursache für diese schweren, ab Mitte der 2010-er Jahre weltweit beobachteten Einzelfälle, ist bisher unbekannt. Es besteht eine zeitliche Koinzidenz mit dem Beginn der massenhaften Vermarktung von Zuchtmorcheln. In allen bei Tox Info Suisse bekannten Fällen waren Handelspilze unterschiedlicher geografischer Provenienz beteiligt. Ungenügende Garzeit und die verzehrte Menge erhöhen das Erkrankungsrisiko.

Für weitere Informationen wenden sich Medienschaffende bitte an:

  • Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane der Schweiz (VAPKO): Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder Marionna Schlatter, Medienverantwortliche, 077 475 25 02

  • Tox Info Suisse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder 044 251 66 66 (von 8:00 – 12:00 und 13:00 – 17:00)