Pilzvergiftungen im 2015 - Bericht von Tox Info Suisse

Das unterdurchschnittliche Pilzvorkommen macht sich positiv bemerkbar

DR. MED. KATHARINA SCHENK-JÄGER

Obwohl regional sehr unterschiedlich ausgeprägt, ist das Jahr 2015 als mageres Pilzjahr in Erinnerung. So auch bei Tox Info Suisse, allerdings mit dem Unterschied, dass sich hier alle darüber freuen!

2015 wurden bei Tox Info Suisse insgesamt 605 Anfragen (2014: 702) zu Pilzen beantwortet. Das sind zirka 14% weniger Anfragen als im Jahr 2014. Bei 534 Anfragen (2014: 626) fanden auch wirklich Expositionen statt, wobei es bis zu 5 Anfragen von einem einzigen Patienten gab. Betroffen waren insgesamt 235 Erwachsene, 154 Kinder und 12 Tiere. Die restlichen 71 Anrufe betrafen Fragen zu Pilzen allgemeiner Natur wie Geniessbarkeit und Lagerung sowie Aufwärmen von Resten einer Pilzmahlzeit. Damit reiht sich das Pilzjahr 2015 als eines mit eher wenig Pilzvergiftungen ein, auch wenn es in der Vergangenheit Jahre mit noch geringeren Zahlen gegeben hat.

Die anschliessenden Grafiken verdeutlichen die statistischen Veränderungen. Die Zahlen wurden so korrigiert, dass Mehrfachanrufe nicht berücksichtigt wurden (daher tiefere Zahlen).

 

Abb. 1 Jahresverlauf im Vergelich zu 2014

Abb. 2 Differenz zu 2014

Abb. 3 Anrufe pro Kanton

Damit die Beratungen laufend verbessert werden können, sind ärztliche Anrufer gebeten, uns eine Rückmeldung zum Vergiftungsverlauf zukommen zu lassen. Bezüglich Pilzvergiftungen sind 2015 89 Rückmeldungen eingegangen. Dabei konnten 47 Ereignisse mit grosser Wahrscheinlichkeit einem Pilz zugeordnet werden. ln 20 Fällen sind keine Symptome aufgetreten. Es handelt sich dabei fast ausschliesslich um Kinderunfälle mit Pilzen aus dem Hausgarten.

Folgende Tabelle listet die Pilzarten und den Schweregrad der Vergiftung auf:

Einmal mehr hat sich auch im vergangenen Jahr die enge Zusammenarbeit mit den Notfallpilzexpertlnnen und PilzkontrolleurInnen sehr bewährt. Unterdessen ist das Netz von Fachleuten auch in der Romandie so dicht, dass diese Fälle sehr zügig beurteilt werden können. Ganz herzlichen Dank allen, die ihr Wissen und ihre Zeit zur Verfügung stellen!

Die Vergiftungsfälle des vergangenen Jahres waren insgesamt wenig spektakulär, alle Patienten haben sich bestens erholt. Bemerkenswert ist der Fall einer Amatoxinvergiftung, welcher auf einer ungewöhnlichen Verwechslung beruht. Die beiden Sammler waren auf der Suche nach Steinpilzen. Sie fanden Pilze, die kleinen Eiern ähnlich sahen, in ihren Augen aber Steinpilze waren. 11 Stunden nach der Mahlzeit setzten dann Brechdurchfälle ein, was die Sammler an ihrer Pilzbestimmung zweifeln liess. Bei Eintritt ins Spital wurde die Behandlung wegen Verdachts auf Phalloides-Syndrom begonnen. Dieser Verdacht konnte durch den Nachweis von Amatoxin im Urin bestätigt werden. Zum Glück haben sich alle Patienten vollständig erholt. Damit bleibt die Warnung vor dem Verzehr sehr junger Pilze, bei welchen die Merkmale noch nicht voll ausgebildet sind, aktueller denn je!

Amanita phalloïdes - Junger Fruchtkörper

Bereits seit anfangs 2015 präsentiert sich unsere Institution zur Feier unseres 50-jährigen Bestehens mit neuem Namen - Tox Info Suisse- und mit neuem Auftritt in den Medien. Neben der Webseite (www.toxinfo.ch) gibt es seit kurzem auch eine App für Smartphones. Wer mag, kann sich unsere App auf sein Smartphone laden und hat somit jederzeit einen direkten Draht zu Neuigkeiten auf unserem Gebiet oder, sollte es einmal ernst gelten, eine direkte Verbindung zur Telefonberatung!
Wir freuen uns auf regen Besuch unserer Webseite, wo wir neben Pilzigem auch allerlei Spannendes aus der Welt der Toxikologie aufgeschaltet haben. Unter «Giftinfos » sind zum Beispiel Kurzportraits der verschiedenen Pilzvergiftungssyndrome aufgeführt. Unterlagen zu Kinderunfällen mit Rasenpilzen und anderen Vergiftungsthemen können heruntergeladen werden.

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Tox lnfo Schweiz, gibt die Schweizerische Post eine Sonderbriefmarke heraus, die beim Postshop (www.postshop.ch) erhältlich ist. Diese Briefmarke zeigt sehr deutlich eine dramatische Situation, welche einen Anruf bei der Tox  Info Schweiz auslösen kann.