Der Echte Hausschwamm,
ein gefürchteter und aggressiver Holzzerstörer in Gebäuden                                                       

Serpula Iacrymans (Wulf. ap. Jacq.: Fr.) Schroet.:

Bereits aus der Bibel ist der Echte oder Tränende Hausschwamm (Serpula lacrymans) als der «Aussatz» der Häuser bekannt (3. Mose / Levitikus 14, 34-53). Da der Hausschwamm heute eher selten erscheint, ist er vielen Hausbesitzern und Mietern wenig bekannt. Seine Gefährlichkeit darf jedoch nicht unterschätzt werden, kann er doch kostspielige Schäden an Gebäuden anrichten.
Der Echte Hausschwamm ist ein Nichtblätterpilz (Aphyllophorales, Familie Coniophoraceae), der insbesondere in älteren, feuchten und schlecht durchlüfteten Gebäuden und Kellern eine gefürchtete und aggressive holzzerstörende Wirkung entfaltet. Bei idealen Wachstumsbedingungen können sich seine Fruchtkörper bis zu 1 m und mehr ausbreiten und dabei schwere Beschädigungen an Holz und sogar Mauerteilen von Gebäulichkeiten verursachen. Wird der Hausschwamm nicht frühzeitig bekämpft, kann das Sanieren für den Hausbesitzer sehr teuer werden. Im Vergleich zu anderen Pilzarten erscheint der Holzzerstörer nur sehr selten in freier Natur, hingegen mit Vorliebe in feuchten, schlecht belüfteten Räumen. Bei einem Befall mit Echtem Hausschwamm sollte in jedem Fall ein Sachverständiger beigezogen werden. Bei unsachgemässer Behandlung kann das «Übel» immer und immer wieder auftreten, ähnlich dem berühmten Haupt der griechischen Wasserschlange Hydra.
Im folgenden Beitrag soll unter anderem auf die wichtigsten Merkmale, Schäden sowie Beseitigungsmassnahmen aufmerksam gemacht werden.

Charakteristische Merkmale
Fruchtkörper: Sie können in verschiedenen Formen erscheinen; meist sind sie flach, gummiartig schwammig, oft kreisrund oder elliptisch und 2-10 mm dick. Im jungen Stadium bilden sie weisse, später grau, gelbbraun bis rostbraun verfärbende, zähe und seltener konsolenförmige Platten. Der Rand (Zuwachszone) ist weiss bis gelblich und wattig-filzig.
Die Fruchtkörper können bis zu 1 m² gross werden und lassen sich leicht von der Unterlage abheben. Sie sondern (insbesondere am Rand) Tropfen einer klaren Flüssigkeit ab. Daher auch der lateinische Artname Iocrimans =tränend, weinend.
Das Oberflächenmycel besteht aus feinen, dünnen Hyphen (Pilzfäden), aus denen sich dickere, anfangs gelbliche, später schmutziggraue Mycelstränge, mit 1-10 mm Durchmesser, entwickeln.
Der Fruchtschichtträger (Hymenophor) besteht aus netzartigen Maschen, die aus kleinen, welligen Leistehen oder Falten gebildet werden; dadurch erscheint die Oberfläche unregelmässig vertieft (merulioid).
Geruch: Junge Fruchtkörper riechen angenehm pilzig, ältere (eventuell durch Eiweisszersetzung verursacht) oft unangenehm penetrant. Ein Pilzkenner riecht den Hausschwamm schon beim Betreten eines schwammbefallenen Raums.
Sporen: Die von reifen Fruchtkörpern in grossen Mengen gebildeten und unter dem Mikroskop gelbbraunen, glatten, dickwandigen Sporen sind bohnenförmig und etwa 8-12 x 4,5-8 µm gross. Der Sporenstaub ist zimt- bis rostbraun gefärbt.
Ein gutes mikroskopisches Bestimmungsmerkmal sind die Hyphen der Fruchtkörper. Sie sind 3-6 µm breit, mit Septen und Schnallen versetzt und besitzen fussähnliche Enden.

Echten Hausschwamm (Serpula lacrymans) in einem feuchten Kellergebäude an einer Holzwand.
Typisch sein watteartiger, weisses Mycel am Rande der Fruchtköper.
Foto: Botanischer Garten Zürich

Echten Hausschwamm (Serpula lacrymans) in einem feuchten Lagerraum auf einem Holzbalken,
sowie an Mauerwerk mit Kalkmörtel.
Foto: Hanspeter Neukom

Mögliche Verwechslungen
Der Wilde Hausschwamm (Serpula himantioides) ist im Aussehen ähnlich dem Echten Hausschwamm. Er ist selten und wächst in Wäldern an Stümpfen und Wurzeln von Nadelbäumen und besitzt kleinere, dünnere, krustenförmige Fruchtkörper.
Der Kellerschwamm (Coniophora puteana) gedeiht auf feuchtem Holz insbesondere in Kellern, aber auch an lebendem und totem Holz in Wäldern und Gärten. Die Fruchtkörper bilden oliv-braune, dünnere, krustenförmige Platten mit nicht gefaltetem Hymenium und weissem Zuwachsrand. Die Sporen sind etwas grösser als jene des Echten Hausschwammes (9-15 x 6-10 µm).

Meistbefallene Räume und Materialien
Der Hausschwamm ist einer der gefürchtetsten holzzerstörenden Hauspilze. Er tritt vorwiegend in Altbauten, Ferienhäusern oder nach unsachgemäss durchgeführten Gebäudesanierungen auf. Gefährdet sind vor allem schlecht belüftete, erdbodennahe, feuchte Gebäudeteile wie zum Beispiel nicht unterkellerte Parterrewohnungen, bergwärts gelegene Schattenzimmer, Waschküchen, Badezimmer, Kellerräume; aber auch Treibhäuser oder Blumenläden können für anstossende Räume eine potentielle Hausschwammgefahr darstellen. Der Pilz befällt praktisch jegliche Art von Holz und zerstört es dabei rasch und vollständig durch eine intensive Braunfäule. Neben Holz greift er unter anderem auch Fasermatten, Möbel, Schilfisolationen, Bücher, Teppiche, Papier und Textilien aus Zellulose an. Beim Abbau der Zellulose setzt er gebundenes Wasser frei und kann sich damit für die Weiterentwicklung der Fruchtkörper die notwendige Flüssigkeit selbst beschaffen.

Wachstumsbedingungen
Laut Literatur wächst der Hausschwamm bei Temperaturen zwischen 3 und 26°C und benötigt für seine Entstehung eine Holzfeuchtigkeit von ungefähr 25%. Seine optimalen Wachstumsbedingungen findet er bei Temperaturen von 18 bis 22°C und einer Holzfeuchte zwischen 30-40%. Hohe Luftfeuchtigkeit (über 85 %) fördert daher sein Wachstum. Bei idealen Bedingungen können sich seine Fruchtkörper pro Tag bis zu 8 mm ausbreiten. Begünstigt wird dieses Wachstum durch schlecht belüftete Räume, insbesondere in den Sommerferien, wo während der Abwesenheit alles verriegelt wurde, oder am Anfang des Winters, wenn die Heizung in Betrieb genommen wurde und Fenster und Türen geschlossen bleiben. Bei Temperaturen über 26°C stellt er sein Wachstum ein. Ebenfalls sehr empfindlich reagiert er auf Luftzug.

Leistungsfähiges Wassersystem
Durch seine bleistiftdicken Mycelstränge, die ein sehr leistungsfähiges Wassersystem darstellen, kann er sich auch auf Material mit wenig Feuchtigkeit ausdehnen, indem er dort den Wassergehalt um 10-40% erhöht. Mit diesen Mycelsträngen kann er leicht durch poröses Mauerwerk und Isolationsmaterial dringen, ohne diese direkt zu beschädigen, und neues, für ihn geeignetes Substrat befeuchten und befallen.

Bekämpfung des Echten Hausschwammes
Bei einer Infektion durch den Hausschwamm sollte immer ein Sachverständiger zugezogen werden, um unliebsamen Überraschungen (Wiedererscheinen des Pilzes) vorzubeugen. In anderen Ländern, beispielsweise Deutschland, ist der Hausschwamm sogar meldepflichtig!
Im folgenden sind die wichtigsten Bekämpfungsmassnahmen aufgeführt, die nur von geschultem Fachpersonal durchgeführt werden sollten.

Als erstes muss die Pilzart bestimmt und der Ursache der erhöhten Holzfeuchtigkeit auf den Grund gegangen werden. Handelt es sich um den Echten Hausschwamm, muss die Fläche des Befalls-areals, das heisst die Ausdehnung des Pilzbefalls, anhand des Pilzgeflechtes bestimmt werden. Ebenso sollten Mauern und angrenzende Räume auf den Hausschwamm untersucht werden. Um das grosse Risiko einer Verschleppung des Pilzes zu vermeiden, muss der befallene Ort vor dem Abtragen des angegriffenen Materials mit einem pilzhemmenden Desinfektionsmittel (siehe Verzeichnis Holzschutzmittel der LIGNUM) besprüht werden. Nach der Desinfektion ist das befallene Holz, das seine natürliche Festigkeit verloren hat, aus Sicherheitsgründen bis 1 m über die befallene Fläche hinaus zu entfernen und zu verbrennen. Ebenso verhält es sich mit angegriffenem Mörtel, der ebenfalls grosszügig abgetragen werden muss.

Im weiteren muss nun unbedingt darauf geachtet werden, dass die Hauptursache für das Erscheinen des Pilzes (der Feuchtigkeitsherd) ausgeschaltet werden kann. Nur absolute Trockenheit gibt Garantie, dass der Hausschwamm nicht wieder erscheint.

Holzschutzmittel
Nachdem das befallene Holz und Mauerwerk abgetragen und vernichtet wurde, werden das verbleibende Holz und die Mauern mit einem dafür geeigneten Holzschutzmittel (siehe Verzeichnis Holzschutzmittel der LIGNUM) behandelt. Dadurch wird verhindert, dass der Hausschwamm erneut sein Unwesen treiben kann. Nach einer chemischen Behandlung mit organischen Schutzmitteln sollte streng darauf geachtet werden, dass der Raum, bevor er bewohnt wird oder Lebensmittel eingelagert werden, mindestens vier Wochen lang gründlich durchgelüftet wird.
Holzschutzmittel gegen holzzerstörende Pilze unterliegen der Stoffverordnung und müssen vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) bewilligt werden.
Die geeigneten Holzschutzmittel werden von der Eidg. Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) in St. Gallen auf ihre Wirksamkeit geprüft. Mit dem entsprechenden Nachweis können Schutzmittelhersteller das LIGNUM Gütezeichen tragen. Das schweizerische Holzschutzmittelverzeichnis kann bei LIGNUM, Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für das Holz, Falkenstrasse 26, 8008 Zürich, bezogen werden.

Vorbeugemassnahmen
Um einem Hausschwammbefall vorzubeugen, sollten unter anderen folgenden Massnahmen getroffen werden:

Bei Bauarbeiten an und in Gebäuden, insbesondere bei erdbodennahen Räumen muss darauf geachtet werden, dass nur gesundes, trockenes und eventuell holzschutzbehandeltes Holz verbaut wird. In feuchtem Mauerwerk dürfen weder Reste alter Konstruktionshölzer noch alte tote Wurzeln von Bäumen, Sträuchern und Efeu zurückbleiben.

Über längere Zeit dürfen Brennholz, Bretter, Kisten, Karton, Zeitungen, Torf oder sogar Kohle nicht unkontrolliert in feuchten Räumen gelagert werden. Ist aber kein anderer Aufbewahrungsort vorhanden, so muss wenigstens für gute Belüftung gesorgt sein. Ferner ist darauf zu achten, dass die Gegenstände nicht direkt bei feuchten Mauern und Böden an- oder aufliegen. Steine mit darüber gelegten Brettern (Abstand mindestens 8 cm) eignen sich am besten als Unterlage für die Lagerung von Gütern. Wichtig ist auf alle Fälle, dass permanente Luftzirkulation im Raum herrscht. Durchzug, der die Wärme und Feuchtigkeit aus den Räumen nimmt, ist das beste und billigste Mittel gegen einen Hausschwammbefall

Gesundheitsgefährdung durch den Echten Hausschwamm?
Der Hausschwamm ist zwar nicht giftig, doch auch nicht geniessbar und daher kein Pilz für die Küche. Da der Hausschwamm im reifen Zustand eine Unmenge von Sporenstaub produziert, kann der ständige Aufenthalt in geschlossenen, schwammbefallenen Räumen gesundheitsschädigend wirken. Die Sporen des Echten Hausschwammes gehören, wie zum Beispiel die des Austernseitlings (Pleurotus ostreatus) oder der Schimmelpilze, zu den starken Allergenen. Durch das stete Einatmen dieser Pilzsporen kann bei empfindlichen Personen eine gefährliche Allergie ausgelöst werden, die sich in Asthmaanfällen bemerkbar machen kann.

Auskunftsstellen
Bei einem Befall durch den Echten Hausschwamm geben folgende Stellen weitere Auskünfte:

-    LIGNUM, Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für das Holz, Falkenstrasse 26, 8008 Zürich
-    EMPA, Eidg. Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, Abt. Biologie, Unterstrasse 11, 9001 St. Gallen
-    Fachsteile für Schädlingsbekämpfung der Stadt Zürich, Bürohaus Walche, Walehestrasse 33, 8035 Zürich

Abschliessend soll festgehalten werden, dass heute bei einer seriösen und fachgerechten Bauweise mit Holz der Echte Hausschwamm nur noch selten auftritt.

Literatur

  1. Bavendamm W., Der Hausschwamm und andere Bauholzpilze. Stuttgart: Verlag G. Fischer (1969).
  2. Bon M., Pareys Buch der Pilze. Harnburg und Berlin: Verlag Paul Parey, (1988).
  3. Breitenbach J. und Kränzlin F., Pilze der Schweiz, Röhrlinge und Blätterpilze. Band 3, Luzern: Verlag Mykologia (1991 ).
  4. EMPA/LIGNUM, Richtlinie, Der Echte Hausschwamm und seine Bekämpfung. (1986).
  5. Graf E., Chemischer Holzschutz gegen Pilze. Möglichkeiten und Grenzen. Schweiz. Z. Forstwes., 143, 757-772 (1992).
  6. Jahn H., Pilze an Bäumen. 2. Aufl., Berlin, Hannover: Verlag Patzer (1990).
  7. Michael H., Hennig B., Kreisel H., Handbuch für Pilzfreunde. Bände 1, 2 und 4, 5. Aufl., Stuttgart: Verlag G. Fischer (1983).
  8. Rohner 0., Der Hausschwamm in Einsiedeln aktiv. Pilz-Zeitung Nr. 7/1994.
  9. Ryman S., Holmasen 1., Pilze. Braunschweig: Verlag B. Thaiacker (1992).
  10. Schiittier J., Waldvogel F., Pilze. Band 2, Blätterlose Pilze, Zürich: Verlag Silva (1972).
  11. Sutter H. P., Holzschädlinge an Kulturgütern erkennen und bekämpfen. Bern: Verlag Haupt (1986).
  12. Wälchli O. and Raschle P., The dry fungus- Experience on causes and effects of its occurrence in Switzerland. Biodeterioration, 5, 84-86 (1983).

 

Autor: H.-P. Neukorn, Kantonales Labor Zürich, Postfach, 8030 Zürich
Für die Webseite: Jean-Claude Michel, Biel